Was bedeutet "Zucht"?

Zucht von Tieren bedeutet die selektive Auswahl von Tieren, um ein bestimmtes Zuchtziel zu erreichen.


Ein Züchter möchte eigentlich immer irgend etwas verbessern oder herauszüchten. So wird ein Züchter versuchen, die Ohren zu verbessern oder aber die Felldichte, bestimmte Wirbel zu sichern, Körperbau zu verbessern oder eine bestimmte Farbe zu verbessern oder in eine Rasse rein zuziehen. Hier gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Dabei sollten für einen Züchter immer die Vitalität, Gesundheit und Wesenseigenschaften an oberster Stelle stehen.

Eigentlich scheint es ziemlich einfach, man nimmt ein zuchtreifes Weibchen und Böckchen, verpaare diese und bekommt Nachwuchs. Das ist auch nicht weiter schwer, aber mit Zucht hat es erst einmal wenig zu tun.

Wie gesagt, ein Züchter verfolgt Ziele. Man braucht also genetische Grundkenntnisse, um sich so viele Testverpaarungen sparen zu können. Auch benötigt man nicht unendlich viele Tiere, sondern gute Ausgangstiere, die dem eigenen Zuchtziel möglichst nahe kommen.

Ein Züchter sollte, um immer genauen Überblick zu haben, ein Zuchtbuch führen. Darin sollten Namen, Geburtdatum und Eltern, Genformel und Eigenschaften des Tieres dokumentiert werden. Vorzüge und Fehler sowie evtl. Krankheiten und das erreichte Lebensalter sind ebenfalls interessant.

Dann werden die Würfe entsprechend notiert, was wann und wie gefallen ist, Geburtsgewichte und Geschlecht festgehalten (später auch für die Papiere nötig).

Beim Bock sollten ebenfalls die Würfe notiert werden, ob und wenn ja, welche Fehler er mitvererbt haben könnte, und auch die Geschlechterverteilung ist interessant, die ja bekanntlich der Bock bestimmt.

Man sollte die Eintragungen einheitlich und übersichtlich gestalten, so dass man immer einen guten Überblick behält. 

Voraussetzungen für eine seriöse Zucht

Platzbedarf

Viele Meerschweinchen brauchen auch viel Platz. Bevor man züchtet, sollte man genau überlegen, ob man ausreichend Platz zur Verfügung hat. Viele bedenken dabei leider nicht, dass nicht immer die gewünschten Tiere fallen. Das bedeutet automatisch mehr Tiere, die ein gutes Zuhause suchen und oft findet sich dieses nicht sofort. Man muss also genug Platz haben, um alle Tiere solange gut unterzubringen, bis die Abgabetiere ein schönes Zuhause gefunden haben. Dabei muss natürlich jedes Tier genug Fläche, Versteckmöglichkeiten und mindestens einen Partner haben.

Wer einen Stall für 30 Tiere baut und dann mit 30 Zuchttieren rechnet, wird schnell an seine Grenzen stoßen und dann leiden die Tiere darunter. In die Platzfrage sind neben den Zuchttieren auch Rentner und unvermittelbare Tiere sowie Ausweichgehege für Streit oder Rückläufer einzuplanen.

Einfach Abgabe an Zoofachgeschäfte, Tierheime oder gar Reptilienhalter sollte für einen verantwortungsvollen Züchter absolut tabu sein. Wird so verfahren, um seinen Überschuss schnell loszuwerden, kann man das kaum Züchter nennen.

Finanzen

Auch gern vergessen wird der finanzielle Aufwand, der mit einer Meerschweinchenzucht einhergeht. Gerade Jugendliche neigen dazu, zu denken, dass sie ihr Taschengeld aufbessern könnten, in dem sie ihre Tiere verpaaren. Dieser Gedanke ist erst mal nachzuvollziehen, wenn man die Jungen doch für 20-30€ pro Tier verkaufen kann.

Viele Menschen denken auch immer noch, dass Züchter Profit aus den Tieren schlagen. Dem ist bei einer verantwortungsvollen und tiergerechten Zucht absolut nicht so.

Meerschweinchenzucht ist ein Hobby und wie alle Hobbys verursacht es Kosten, die durch die Verkaufstiere unmöglich zu decken sind.

Als Basis wird eine Stallanlage benötigt, die ausreichend Platz bietet und tiergerecht gestaltet ist. Hier gibt es, je nach Haltungsform, unterschiedliche Möglichkeiten, die natürlich auch unterschiedlich hohe Kosten verursachen. Dies kann für den Bau/Ausbau drei bis vierstellige Summen verschlingen. Dazu Einrichtungsgegenstände in Form von Raufen, Näpfen und Unterschlüpfen (Weidenbrücken, Häuschen, Kuschelsachen etc.). Die Naturmatieralien müssen nach einiger Zeit auch wieder gegen neue  Gegenstände ausgetauscht werden, um die Hygiene im Stall zu gewährleisten.
Für die Einrichtung eines neuen Zuchtstalls ist mit durchschnittlichen Kosten von 1.000-4.000,- € zu rechnen.

Dazu kommen in der Zucht auch noch Kosten für tierärztliche Untersuchungen (regelmäßige Kotuntersuchungen) und Gesundheitsprophylaxe. Nicht zu vergessen sind auch evtl. auftretende Notfälle und Behandlungskosten. Ist z.B. ein Kaiserschnitt nötig, dann muss mit Kosten in Höhe von 300-600,-€ gerechnet werden. Und das ohne Gewähr, dass Muttertier und Junge gerettet werden können. Ein finanzielles Polster  sollte also selbstverständlich vorhanden sein, um unvorhersehbare Kosten abzufangen.

Einzukalkulieren sind außerdem die Kastrationen der Jungböcke, die nicht zur Zucht herangezogen werden sollen. Im Sinne des Tierschutzes und in Hinblick auf das weitere Leben des Bockes sollten Böcke einer seriösen Zucht prinzipiell kastriert abgegeben werden (Abgaben an Züchter natürlich ausgenommen). Eine Kastrationskasse ist also sinnvoll. In dieser wird Geld für 3-6 Kastrationen zurückgelegt, um die Kastrationen abdecken zu können. Der Betrag für jeden verkauften Kastraten kommt zurück in diese Kasse. So schließt sich der Kreis und Kastrationen sind auch dann gewährleistet, wenn mal nur Böckchen fallen.
Kastrationen kosten je nach Standort 30-120,- €. Manche Tierärzte bieten Sonderkonditionen für Züchter an, aber im Schnitt ist mit 50,- € pro Bock zu rechnen.

Weitere Kosten fallen für Seminare, eine eventuelle Vereinsmitgliedschaft, Züchterprüfung und Ausstellungen an. Auch ist in einigen Bundesländern ein Sachkundenachweis nach §11 TierSchG für die Zucht und den Verkauf von Tieren erforderlich, der bei einer zentralen Stelle bzw. dem Veterinäramt abgelegt werden kann und zwischen 80,- und 300,- € kostet.

Laufende Kosten für Einstreu, Futter und Pflege der Tiere sind selbstverständlich und sollen nur kurz erwähnt sein.

Stellt man diese Kosten nun den einigen wenigen Abgabetieren entgegen, wird schnell klar, dass sich mit diesem Hobby kein Geld verdienen lässt. Es ist eine Leidenschaft, die viel Zeit, Nerven und auch Geld verschlingt, damit es den Tieren an nichts fehlt.

Sachkunde

Als selbstverständlich anzusehen ist, dass man sich über die gehaltene  Tierart ausführlich informiert, bevor man über deren Zucht nachdenkt. Ausführliche Informationen über Haltungsbedingungen, Verhalten, Ernährung und Vergesellschaftung müssen unbedingt vor Begin der Tierhaltung eingeholt werden und im Idealfall hat man auch schon einige Jahre Haltungserfahrung mit einer Tierart, bevor man sich zur Zucht entschließt.

Bevor man nun züchtet, sollte man sich unbedingt ein gewisses Grundwissen über die Genetik des Meerschweinchens aneignen. Ohne Wissen über Rassen, Farben und Vererbung wird man nicht wissen, welches Tiere man verpaaren muss, um das gewünschte Ziel zu erreichen, womit wir wieder bei der einfachen Vermehrung wären.

Lebenswichtig ist dieses Wissen vor allem in Hinblick auf Lethalfaktoren (Dalmatiner-, Schimmel-, Satinproblematik). Ohne sich ausreichend informiert zu haben, kann es hier bei falschen Verpaarungen zu sehr traurigen Ergebnissen kommen.
(Bild von Die Masken - Meerschweinerein)

Rechtliches

Die Regelungen zur Zucht von Kleinsäugern unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Man sollte sich mit seinem Zuchtwunsch daher an das zuständige Veterinäramt wenden und nachfragen, welche Anforderungen im Landkreis gestellt werden.

Entsorgung

Oftmals unterschätzt ist auch die enorme Menge an Mist, die eine Meerschweinchenzucht abwirft. Hat man keine Möglichkeit große Mengen über einen Mist- oder Komposthaufen zu entsorgen, muss man sich informieren, wo in der Nähe Gartenabfälle entsorgt werden können. Die Entsorgung über die braune Tonne oder den Restmüll wird von den meisten Gemeinden nicht toleriert.

Bei Abfallsammelstellen zahlt man in der Regel 100€ pro 1 Tonne für die Entsorgung von Mist.

Je nach Einstreu- und Haltungsart ist eine Komplettreinigung des Geheges alle 7-21  Tage nötig. In dieser Zeit fallen je nach Gehegegröße und Tierzahl dementsprechend große Mengen Mist an. Die Entsorgung sollte unbedingt vorher geklärt werden

Zuchtbeginn

Hat man sich für eine Rasse und Farbe entschieden, macht man sich auf die Suche nach Zuchttieren. Bestenfalls findet man einen Züchter, bei dem man eine komplette Zuchtgruppe einkaufen kann und der einen im weiteren Verlauf auch unterstützt.

Quarantäne

Beim Zukauf neuer Tiere sollte in einer Zucht besonderes Augenmerk auf der Minimierung des Infektionsrisikos liegen. Bei der Planung der Zuchtanlage sollte also auch ein Bereich entstehen, der abgetrennt von der eigentlichen Anlage die Möglichkeit bietet, Tiere für einige Wochen artgemäß unterzubringen.
Zugekaufte Tiere werden vorerst in einem Quarantänegehege untergebracht. Es ist ratsam, immer eine Sammelkotprobe der Tiere untersuchen zu lassen, damit man sich nichts in die Stallungen einschleppt.

Zuchtreife

Trotz der sehr früh einsetzenden Geschlechtsreife ist es nicht anzuraten, Tiere bereits so jung zu verpaaren. Der Organismus der Tiere sollte Energie und aufgenommene Nährstoffe zuerst in die eigene Entwicklung und damit in eine stabile Basis stecken können.

Jeder Züchter macht seine Erfahrungen und nicht zuletzt spielen auch Haltung und Fütterung eine wichtige Rolle.

Kauft man recht junge Zuchttiere ein, so muss für beide Geschlechter eine gut strukturierte Liebhaber-/Rentnergruppe vorhanden sein, in der die Jungtiere bis zur Zuchtreife aufwachsen können.

Zuchteignung

Züchter verkaufen die Tiere nicht ohne Grund als "Liebhabertier".

Grundsätzlich muss natürlich gelten, dass nur mit gesunden Tieren gezüchtet wird. Gesund bedeutet in diesem Sinne nicht nur frei von Gebissfehlstellungen, Missbildungen und offensichtlichen Fehlern (Faltohren, Vielzehigkeit, Fehlwirbel etc.), sondern auch, dass die Tiere bei optimaler Kondition sein müssen, ein gutes Immunsystem ausbilden konnten und keine charakterlichen Mängel aufweisen.

Außerdem müssen in der Rassezucht die äußeren Merkmale beachtet werden, sodass nur qualitative Verpaarungen gesetzt werden. Nur bei entsprechender Auswahl der Zuchttiere werden Nachkommen fallen, bei denen zu erwarten ist, dass diese dem Standard entsprechen und somit zum Erhalt und der Verbesserung der Rassen eingesetzt werden können. Liebhaberverpaarungen (Vermischung von unpassenden Rassen und Farben) ohne sinnvolles Zuchtziel, sind als Vermehrung zu werten und haben nichts mit zielgerichteter Zucht zu tun.

Rezessive Mängel müssen immer wieder durch bewusste Rück- und Geschwisterverpasrungen  getestet werden müssen. Auch das zeichnet einen seriösen Züchter aus.
Damit gibt es keine vorbelastete Linien.

Nicht zur Zucht geeignet sind:

  • Tiere ohne Abstammungsnachweis und Tiere unbekannter Herkunft
  • Tiere mit schweren, körperlichen Defekten und Missbildungen
  • Tiere mit Zuchtfehlern
  • Tiere, die bereits Probleme unter einer früheren Trächtigkeit/Geburt/Aufzucht hatten
  • Tiere aus vorbelasteten Linien
  • Tiere mit charakterlichen Mängeln



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